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gedankenexperimente:buridans_esel

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gedankenexperimente:buridans_esel [2018/12/26 17:39]
jge [2. Szenario]
gedankenexperimente:buridans_esel [2018/12/26 17:52]
jge [5. Literatur]
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 Al-Ghazali (1058-1111) führt das Beispiel an, um ein theologisches Problem zu lösen: Wie hat sich der Schöpfergott entschließen können, die Schöpfung zu einem bestimmten Zeitpunkt durchzuführen,​ wenn jeder Zeitpunkt davor oder danach genausogut wäre? Hätte er dann nicht unentschlossen bleiben müssen? Ghazahli sagt, dass dies kein Problem sei, denn aus der Tatsache, dass jemand keinen besseren Grund für die Wahl von Handlung A habe als für die Wahl von Handlung B folge eben nicht, dass er gezwungen sei, keine Wahl zu treffen — er werde sich eben einfach entscheiden. Rescher ist der Meinung, dass Ghazali erstmals das Problem in seiner heutigen Weise präsentiert,​ denn Ghazali habe es erstmals formuliert als Wahl im Angesicht identischer Alternativen. Rescher stellt dann auch die weitere Entwicklung dar. In den Schriften Buridans (um 1300 bis um 1358), nachdem das Problem benannt ist, kommt es anscheinend nicht an prominenter Stelle vor.  Al-Ghazali (1058-1111) führt das Beispiel an, um ein theologisches Problem zu lösen: Wie hat sich der Schöpfergott entschließen können, die Schöpfung zu einem bestimmten Zeitpunkt durchzuführen,​ wenn jeder Zeitpunkt davor oder danach genausogut wäre? Hätte er dann nicht unentschlossen bleiben müssen? Ghazahli sagt, dass dies kein Problem sei, denn aus der Tatsache, dass jemand keinen besseren Grund für die Wahl von Handlung A habe als für die Wahl von Handlung B folge eben nicht, dass er gezwungen sei, keine Wahl zu treffen — er werde sich eben einfach entscheiden. Rescher ist der Meinung, dass Ghazali erstmals das Problem in seiner heutigen Weise präsentiert,​ denn Ghazali habe es erstmals formuliert als Wahl im Angesicht identischer Alternativen. Rescher stellt dann auch die weitere Entwicklung dar. In den Schriften Buridans (um 1300 bis um 1358), nachdem das Problem benannt ist, kommt es anscheinend nicht an prominenter Stelle vor. 
  
-Es bleibt die Frage, an welcher Stelle der Esel das Szenario betritt. ​+Es bleibt die Frage, an welcher Stelle der Esel das Szenario betritt. ​In Spinozas Ethik, 1677 erschienen, kommt das Dilemma unter diesem Namen vor. Wie Clark (2007, 30-31) hervorhebt, geht es Spinoza wieder um etwas anderes, nämlich um ein Argument für oder gegen den Determinismus:​ wenn der Esel vor seiner Wahlsituation steht, ohne dass ihn seine kausale Geschichte für den einen oder anderen Haufen geneigter macht, wird er dann verhungern? Oder wird er eine Wahl treffen können, die nicht bereits kausal determiniert war, und sich für einen Haufen entscheiden?​
  
  
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 ===== 5. Literatur ===== ===== 5. Literatur =====
  
-Enthalten in: +Enthalten in: Levy 2017, 126-129. Worley 2014, 31-33. Baggini 2017, 73-75.
  
- +Nicholas Rescher: Choice without preference. A study of the history and of the logic of the problem of »Buridan’s Ass«. In: Kant-Studien 51 (1960), S. 142ff. Wiederabgedruckt in ders.: Essays in philosophical analysis. Pittsburgh, Univ. of Pittsburgh Press, 1969. S. 111-158.
-Nicholas Rescher: Choice without preference. A study of the history and of the logic of the problem of »Buridan’s Ass«. In: Kant-Studien 51 (1960), S. 142ff. Wiederabgedruckt in ders.: Essays in philosophical analysis. S. +
 ===== 6. Schlagworte ===== ===== 6. Schlagworte =====
  
gedankenexperimente/buridans_esel.txt · Zuletzt geändert: 2018/12/26 17:52 von jge