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gedankenexperimente:pascals_wette

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gedankenexperimente:pascals_wette [2019/01/03 18:08]
jge [1. Szenario]
gedankenexperimente:pascals_wette [2019/01/03 18:16]
jge [2. Quelle]
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 Gibt es einen Gott? Als rationaler Mensch kann man nur zugeben, dass diese Frage unentscheidbar ist. Dann sollte man sich der Frage zuwenden, ob es besser ist, an Gott zu glauben, als, nicht an ihn zu glauben. Gibt es ihn und man glaubt an ihn: gut. Gibt es ihn und man glaubt nicht an ihn: landet man in der Hölle. Gibt es ihn nicht und man glaubt an ihn: hat man keinen Nachteil davon. Und gibt es ihn nicht und man glaubt nicht an ihn, macht es nichts aus. Es ist also rational, an Gott zu glauben: damit man im Falle seiner Existenz die ewige Seligkeit erlangt. Gibt es einen Gott? Als rationaler Mensch kann man nur zugeben, dass diese Frage unentscheidbar ist. Dann sollte man sich der Frage zuwenden, ob es besser ist, an Gott zu glauben, als, nicht an ihn zu glauben. Gibt es ihn und man glaubt an ihn: gut. Gibt es ihn und man glaubt nicht an ihn: landet man in der Hölle. Gibt es ihn nicht und man glaubt an ihn: hat man keinen Nachteil davon. Und gibt es ihn nicht und man glaubt nicht an ihn, macht es nichts aus. Es ist also rational, an Gott zu glauben: damit man im Falle seiner Existenz die ewige Seligkeit erlangt.
  
-===== 2. Quelle ===== 
  
-Pascal, Blaise: Pensées, 1670, Nr. 223. 
  
-===== 3. Anmerkung ​=====+===== 3. Argumentative Funktion ​=====
  
-Ein Gedankenexperimentdas ich ernsthaft schon als Argument für den Gottesglauben von einem Christen gehört habe!+ 
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 +===== 4. Kommentar ===== 
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 +Eine Wettedie ich selbst ​ernsthaft schon als Argument für den Gottesglauben von einem Christen gehört habe!
  
 Die Wette hat mehrere Fehler: Die Wette hat mehrere Fehler:
  
-1. Natürlich kann man sich nicht entschließen zu glauben; entsprechend kann man auf rationale Weise nur zu einem bestimmten Verhalten kommen, z.B. einem solchen, als ob man glaube. Dass dies dem gemeinten Gott gefalle, ist nicht sicher; ​sollte er Missfallen an einem Atheisten haben, dann vermutlich auch an einem, der sich zum glaubenden Verhalten entschlossen hat, weil er einen Vorteil davon zu haben hofft.+1. Natürlich kann man sich nicht entschließen zu glauben ​(vgl. Bernard Williams); entsprechend kann man auf rationale Weise nur zu einem bestimmten Verhalten kommen, z.B. einem solchen, als ob man glaube. Dass dies dem gemeinten Gott gefalle, ist eine seltsame Annahme. Denn sollte er Missfallen an einem Atheisten haben, dann vermutlich auch an einem, der sich zum glaubenden Verhalten entschlossen hat, weil er einen Vorteil davon zu haben hofft. 
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 +2. Woher wissen wir, auf welchen Gott wir bei dieser Wette setzen wollen oder sollen? Vielleicht nimmt ein Gott den Glauben an einen anderen mehr übel als einen Agnostizismus?​ Ist es der Gott der Christen, der der Juden, der der Moslems, oder überhaupt kein monotheistischer Gott? Und wenn wir es nicht wissen: welche Praxis wird dann diesem Gott wohlgefällig sein? 
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 +3. Pascal dachte, dass es kein Nachteil sei, wenn es keinen Gott gäbe, an einen zu glauben. Das stimmt aber möglicherweise nicht, abhängig davon, ob man einen an Gott gebundenen Moralbegriff vertritt: a) weil damit die moralische Grundlage fehlt, b) weil man damit möglicherweise engeren Vorstellungen folgt, als man es gerne würde. Pascal hat diesen Einwand allerdings vorweggenommen,​ indem er vertrat, dass das gottgefällige Leben eines ohne Laster sei — was auch dann einen Wert habe bzw. besser sei, wenn es keinen Gott gäbe. 
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 +===== 5. Literatur =====
  
-2. Woher wissen wirauf welchen Gott wir bei dieser Wette setzen wollen? Vielleicht nimmt ein Gott den Glauben an einen anderen mehr übel als einen Agnostizismus?​ Ist es der Gott der Christender der Judender der Moslems, oder überhaupt kein monotheistischer Gott?+Enthalten in: Bertram 2012199-206; Levy 2017129-132. Tittle 200530-31.
  
-3. Pascal dachtedass es kein Nachteil sei, wenn es keinen Gott gäbe, an einen zu glauben. ​Das stimmt aber möglicherweise nichtabhängig davon, ob man einen an Gott gebundenen Moralbegriff vertritta) weil damit die moralische Grundlage fehltb) weil man damit möglicherweise engeren Vorstellungen folgt, als man es gerne würde.+Bernard Williams: Kann man sich dazu entscheidenetwas zu glauben? In: Ders., Probleme des Selbst. StuttgartReclam1978. Englisches Original zuerst 1970.
  
-===== 5. Schlagworte =====+===== 6. Schlagworte =====
  
   * Pascal, Blaise (1623-1662)   * Pascal, Blaise (1623-1662)
   * Religionsphilosophie   * Religionsphilosophie
   * Klassisches Gedankenexperiment   * Klassisches Gedankenexperiment
gedankenexperimente/pascals_wette.txt · Zuletzt geändert: 2019/01/03 18:16 von jge